Kelten

Die Kelten traten in den Gebieten Westeuropas erstmals ca. 1500 v.Chr. in Erscheinung. Das kriegerische Volk aus Mitteleuropa war zwar zahlenmäßig unterlegen, konnte sich aber Dank ihrer fortschrittlichen Militärtechnik (Eisenwaffen, Kriegswagen, zweischneidiges Langschwert...) behaupten.
 
Die Verbreitung der Kelten auf diesen Gebieten erfolgte in mehreren Etappen, zwischen denen Jahrzehnte und sogar Jahrhunderte lagen. In der langen Zeit zwischen den Eroberungswellen vermischten sich die Kelten mit der Urbevölkerung. Auf diese Weise entstanden neue ethnische Gruppen, die sich sowohl von der Urbevölkerung als auch von den Neueroberern unterschieden. Langsam, aber unaufhaltsam verbreiteten sie sich zu Beginn des 1. Jh.s v.Chr. auf dem ganzen Territorium. Vor allem der Osten und Norden wurde von den Kelten dominiert. Die Römer nannten sie Gallier und das von ihnen bewohnte Gebiet – Gallien.
 
Gallien hatte zu dieser Zeit zwischen 6 und 15 Millionen Einwohner. Die Gallier waren in rund 200 Stämme unterteilt, die ihr eigenes Gebiet beanspruchten. Der größte und einflussreichste gallische Stamm waren die Arverner, die in der heutigen Auvergne siedelten. Außerdem nennenswert sind: Allobroger, Bituriger, Haeduer, Karnuten, Lemovices, Mediomatriker, Parisii, Remer, Santonen, Sequaner u.a. Noch in der heutigen administrativen Gliederung Frankreichs sind einzelne gallische Gebiete erhalten geblieben (Arverner – Region Auvergne, Lemovices – Region Limousin, Pictavi – Poitou, Atrebaten – Artois...)
 
Die Stammesorganisation variierte stark in den einzelnen Gebieten. Kleinere Stämme in unfruchtbaren Gebieten kannten keine Gesellschaftsstruktur, jedoch in den größeren Stämmen bildete sich eine Arbeits- und Sozialstruktur heraus. Die führende Position nahm der Adel ein, der je nach Reichtum Sklaven, abhängige Bauern und Krieger in seinen Diensten hatte. Der einflussreichste Adelige wurde zum Stammesführer gewählt. Eine sehr bedeutende Stellung hatten auch die Druiden, die nach einer jahrelangen Ausbildung die Rolle eines Richters, Priesters, Lehrers und Arztes ausübten. Im Unterschied zu den Adeligen, die ständig konkurrierten, bildeten die Druiden der einzelnen Stämme eine Einheit. Jedes Jahr versammelten sich die Druiden aus allen Gebieten Galliens an einem geheimen Ort im Gebiet der Karnuten, um ihr Oberhaupt zu wählen und Erfahrungen auszutauschen. Auf der untersten Stufe standen die Sklaven, die entweder gekauft oder bei Eroberungszügen gefangen genommen wurden. Sie erledigten die schwersten Arbeiten und wurden sogar bei religiösen Ritualen geopfert.
 
Die Gallier lebten in den sogenannten Oppida. Ein Oppidum war ein Dorf, bestehend aus mehreren Holz- oder Lehmhäusern, das von einfachen Befestigungen umgeben war. In wasserreichen Gebieten wurden diese Dörfer direkt auf dem Wasser errichtet. Aus diesen keltischen Oppida entstanden später wichtige Städte wie Paris, Arras, Poitiers, Sens, Amiens, Tours, Chartres u.a.
 
Die Lebensgrundlagen der Kelten waren die Landwirtschaft, die Jagd, der Fischfang, der Bergbau und das Handwerk. Ihre Kenntnisse in der Metallherstellung und Verarbeitung ermöglichte die Produktion von Waffen für den Krieg oder die Jagd und landwirtschaftlichen Geräten, wie z.B. dem zweirädrigen Pflug mit Eisenpflugschar. Diese fortschrittlichen Geräte, die Düngung und die Zweifelderwirtschaft führten zu höheren Erträgen und Gallien wurde ein begehrter Handelspartner.
 
Die keltische Religion wies einen polymorphem Charakter auf: Außer den allgemeinen Göttern für alle Stämme (Teutates, Lug, die große Göttin...), wurden auch Quellen, Seen oder Bäume verehrt.
 
Nach der römischen Besetzung Westeuropas wurde den Galliern der Zugang zu der neu geschaffenen römischen Gesellschaft nicht versagt. Zuerst öffnete sich die römische Armee für die gallische Bevölkerung. Die Gallier konnten nicht nur als einfache Soldaten kämpfen, sondern erlangten auch höhere Positionen. Nach 25 Jahren Dienst erhielt jeder eine hohe Belohnung und das römische Bürgerrecht. Seit Imperator Claudius bekam der gallische Adel auch die Möglichkeit, sich in der Verwaltung zu betätigen. Bedingung hierfür war die Beherrschung der lateinischen Sprache und die Annahme der römischen Religion. Ebenfalls eine wichtige Rolle in der Integration der gallorömischen Gesellschaft spielten die Städte, die in großer Anzahl besonders im Süden und Nordosten Galliens entstanden. Sie wurden auf den Plätzen der gallischen Oppida und an strategisch wichtigen Stellen errichtet. Steinhäuser, Stadtmauer, Tempel, Theater, Triumphbogen und Thermen bestimmten das Stadtbild. In diesen Städten befand sich die römische Verwaltung und die römischen Garnisonen. Mit der Zeit zog auch der gallische Adel in die Städte, die sich zu wichtigen Kultur- und Wirtschaftszentren entwickelten.

Seit Mitte des 3. Jahrhunderts begannen die Germanen in das römische Reich einzudringen. Die römischen Imperatoren konnten dem nichts entgegensetzen und erlaubten ihnen, unter der Bedingung die Grenzen zu verteidigen, mehrere Gebiete zu besiedeln. Im 4. / 5. Jahrhundert verdrängten die germanischen Stämme die Kelten aus Gallien. Nur noch die Bretagne, Irland und Teile von Schottland blieben überwiegend keltisch.